Executive Summary
- Die Europäische Kommission hat 2025 eine Studie zu Online-Finanzbetrug im DSA-Kontext in Auftrag gegeben.
- Die Studie, durchgeführt von Open Evidence und Spark Legal and Policy Consulting, teilt Betrugsformen in sechs Kategorien ein.
- Plattformfunktionen wie Werbesysteme, Empfehlungsalgorithmen, private Messaging-Funktionen, Kontomanipulation und generative AI werden als Ausnutzungsvektoren genannt.
- Gegenmaßnahmen werden in vier Gruppen zusammengefasst: Zugangsbeschränkungen, Erkennungs-/Entfernungsmaßnahmen, nutzerorientierte Maßnahmen und Plattformpolitik/Kooperation.
Was ist passiert?
Fakten: Die Europäische Kommission hat 2025 eine Studie zur Verbreitung und Bekämpfung von Online-Finanzbetrug in Auftrag gegeben. Die Untersuchung wurde von Open Evidence und Spark Legal and Policy Consulting durchgeführt. Sie kartiert sechs breite Betrugskategorien: Investment-Scams, Romance-Scams, E‑Commerce-Scams, Beschäftigungs- und Kooperations-Scams, Unexpected-Gain-Scams sowie Disaster-Relief-Scams. Die Studie identifiziert darüber hinaus eine Reihe von Plattformmerkmalen, die von Betrügern ausgenutzt werden, darunter Werbesysteme, Empfehlungsalgorithmen, Monetarisierungssysteme, App‑Store-Inhalte, private Messaging-Funktionen, inauthentische Identitäten, irreführende kommerzielle Inhalte und generative AI. Außerdem stellt die Studie fest, dass organisierte kriminelle Netzwerke Tools und Dienstleistungen verkaufen, die den Einstieg in Betrugsaktivitäten erleichtern. Sie listet vier Kategorien von Gegenmaßnahmen auf und weist explizit darauf hin, dass sie keine Bewertung der Compliance von Very Large Online Platforms (VLOPs) und Very Large Search Engines (VLOSEs) vornimmt.
Einordnung: Die Studie liefert eine systematische Bestandsaufnahme des Phänomens im DSA‑Rahmen und fasst technische und organisatorische Angriffsflächen sowie mögliche Interventionspunkte zusammen. Als EU‑Auftrag ist sie primär auf Aufsicht und Regulierung ausgerichtet und dient damit als Grundlage für politische und aufsichtsrechtliche Entscheidungen.
Warum ist das relevant?
Fakten: Laut der Studie sind Investment-Scams und Romance‑Scams die häufigsten und am schnellsten wachsenden Betrugsformen in Europa. Die Untersuchung zeigt, dass Betrugsmethoden zunehmend überlappen und Plattformmechanismen gezielt missbraucht werden. Weiterhin werden Zugangsbarrieren durch einen Markt für Betrugs‑Tools reduziert.
Einordnung: Für Entscheider signalisiert die Studie, dass das Betrugsrisiko nicht auf einzelne Dienste begrenzt ist, sondern Plattform‑übergreifend wirkt und sich durch automatisierte und kommerzialisierte Angriffsmethoden weiter professionalisiert. Die Erwähnung von generativer AI als genutzte Funktion weist darauf hin, dass technologische Entwicklungen neue Angriffsflächen schaffen, die sowohl Sicherheitsteams als auch Compliance‑Abteilungen betreffen.
Was bedeutet das für den Mittelstand?
Fakten: Die Studie nennt konkrete Gegenmaßnahmen, gegliedert in Zugang und Gatekeeping (z. B. Know‑Your‑Business‑Customer/Identitätsanforderungen), Erkennung und Entfernung (automatisierte und menschliche Prüfprozesse), nutzerorientierte Maßnahmen (Meldewerkzeuge, Informationen zu Rechtsschutz) sowie Plattformpolitik und Kooperation mit Dritten.
Einordnung: Für KMU ergeben sich daraus mehrere Handlungsfelder: Risikoexposition beim Einsatz von Plattformdiensten und Werbung, potenzielle Gefährdung durch gefälschte Geschäftspartner oder manipulierte Inhalte sowie der Bedarf an Prozessen für Meldung und Reaktion. Die Studie selbst bewertet nicht, inwieweit große Plattformen die DSA‑Anforderungen erfüllen, was Unsicherheit über die Praxisumsetzung lassen kann. Mittelständische Entscheider sollten diese Unsicherheit in ihre Risikobewertung einbeziehen und prüfen, welche Plattformfunktionen für ihr Geschäft besonders relevant sind.
Passend dazu: KI-Readiness-Check
Empfehlung von Future AI Solutions
Future AI Solutions empfiehlt folgende, pragmatische Schritte:
- Bestandsaufnahme: Identifizieren Sie, welche Plattformfunktionen (Werbung, Empfehlungsalgorithmen, Private Messaging, App‑Integrationen) Ihr Geschäftsmodell und Ihre Kundenkommunikation betreffen.
- KYC und Lieferkettenprüfung: Implementieren Sie oder überprüfen Sie bestehende Know‑Your‑Business‑Prozesse für Partner, Werbetreibende und Drittanbieter.
- Melde‑ und Reaktionsprozesse: Richten Sie klare interne Meldewege für Verdachtsfälle ein und definieren Sie Eskalationspfade zu Plattformen und rechtlicher Beratung.
- Mitarbeiterschulung: Sensibilisieren Sie Vertriebs‑, HR‑ und Marketing‑Teams für typische Betrugsmuster (z. B. Romance‑ oder Investment‑Scams, gefälschte Stellenangebote) und das Erkennen in Plattformumgebungen.
- Technische Maßnahmen prüfen: Evaluieren Sie marktübliche Detection‑Tools und Automatisierung zur Erkennung verdächtiger Inhalte oder Konten; kombinieren Sie automatisierte Erkennung mit menschlicher Überprüfung.
- Kooperation mit Plattformen: Dokumentieren Sie Fälle und nutzen Sie Plattform‑Meldewege; erwägen Sie vertragliche Regelungen mit wichtigen Plattformpartnern über Sicherheits- und Reaktionsstandards.
Diese Empfehlungen sind als praktische Startpunkte zu verstehen. Für eine konkrete Umsetzung empfehlen wir eine Prüfung der Studie im Wortlaut sowie eine bedarfsorientierte Beratung, um Maßnahmen an Unternehmensgröße, Branche und technischer Infrastruktur auszurichten.
